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Entscheidungen fürs Leben

Die Freiheit des Willens ist das höchste menschliche Gut. Wir sind immer frei zu entscheiden. ABER eine Freiheit haben wir nicht: die Freiheit von Entscheidungen! Wie können nicht ausweichen, wir müssen uns entscheiden. Was lenkt uns dabei?

Im Folgenden wollen wir betrachten, wie es zu Entscheidungen kommt, warum ein Mensch handelt und warum er keine Entscheidung trifft. Was lenkt ihn bei der Entscheidungsfindung?

Was veranlasst den Menschen zum Handeln?

Schon in der Antike fragten sich die Philosophen, was Menschen zum Handeln veranlasst. Der Mensch braucht zuallererst einen Grund dazu. Er braucht ein Motiv. «Ich werde morgen aus dem Bett nur aufstehen, wenn ich weiß, warum ich überhaupt aufstehen soll.»

Man fand schon bald heraus, dass vor der Handlung das Motiv, aber vor dem Motiv die Entscheidung steht. (Abb. 1)

Das bedeutet: Der Mensch muss sich zuerst für ein Motiv entscheiden, danach folgt die Handlung. Ich muss also entscheiden, ob ich morgen aufstehe oder liegen bleibe. Wenn ich mich z. B. mit meinem geliebten Partner treffe, werde ich begeistert aus dem Bett springen, um diesen voller Freude zu treffen. Habe ich aber gerade eine Trennung hinter mir und treffe niemanden an diesem Tag, werde ich viel schwieriger aus dem Bett kommen. So muss ich entscheiden, ob ich liegen bleibe oder doch aufstehe, um den Alltag zu bewältigen. Das heißt, ohne Motiv gibt es keine Entscheidung – aber ohne Entscheidung gibt es keine Handlung.

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Dr. med. KLAUS GSTIRNER, Graz A, Arzt und Psychotherapeut, Ärztlicher Leiter der Krankenanstalt des Justizministeriums Graz-Karlau, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Logotherapie und Psychologie www.ealp.at,

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 Als ich sie an einem Montag­­morgen zum ersten Mal sah, lag sie im Koma auf der Intensiv­station – angeschlossen an ein Messgerät für den Schädelinnen­druck. Einer der Assistenzärzte fasste ihren Fall so zusammen: «Ist es nicht an der Zeit, das kleine Mädchen aufzugeben? Ungefähr das Einzige, was sie noch zeigt, ist eine Pupillenreaktion», was bedeutete, dass ihre Pupillen noch auf Licht reagierten. Ansonsten hatte sie jede Reaktionsfähigkeit verloren.

Bevor ich ihm antwortete, beugte ich mich über Bo-Bo und hob sanft ihr Augenlid an. Ihre Pupillen waren starr und geweitet. «Haben Sie nicht gesagt, dass ihre Pupillen noch ­reagieren?» – «Vor einer Minute taten sie es noch», beharrte er. «Dann meinen Sie, dass ihre Pupillen sich in diesem Augenblick geweitet hatten?» – «Das müssen sie wohl!»

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