Zum Hauptmenü springen

Alkohol und Schlaf

Zu der Beziehung zwischen abendlichem Alkholkonsum und Schlafqualität gibt es zahlreiche Untersuchungen. Gut belegt ist, dass Alkohol zwar das Einschlafen verbessern kann, aber den normalen Schlafrhythmus beeinträchtigt. Ein „Schlummertrunk“ führt in der zweiten Nachthälfte zu Unruhe mit flachem Schlaf und vermehrten Weckreaktionen. 
Ferner wird Schnarchen mit und ohne Schlafapnoe durch Alkohol begünstigt und es kommt unter anderem zu vermehrtem Schwitzen, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit.

Auch ausserhalb von wissenschaftlichen Studien entspricht die Mehrheit dieser Zusammenhänge der millionenfachen Alltagserfahrung von Personen, die Alkohol trotzdem als „bewährtes“ Einschlafmittel benutzen. Britische und kanadische Schlafmediziner heben das Thema in einer Metaanalyse von 20 Originalarbeiten noch einmal aufgegriffen und konnten Folgendes erhärten (1): Mit Alkohol in allen Dosisbereichen schläft man tatsächlich schneller ein, die Schlafzeit nimmt aber insgesamt ab. In den ersten Schlafphasen lässt sich zwar ein stabilisierender Effekt nachweisen mit vermehrt auftretenden Tiefschlafphasen (Slow-Wave-Schlaf). In der zweiten Nachthälfte treten gehäuft Weckreaktionen auf und die Schlafzeit nimmt dadurch insgesamt ab. Signifikant längerer Tiefschlaf findet sich dann wiederum bei hohen Dosen, das heisst aber erst ab etwa 60 Gramm Alkohol entsprechend rund 1,5 Liter Bier oder 6 Deziliter Wein.

Die Tatsache, dass der Alkohol eine negative Wirkung auf den späteren Schlaf hat, ist vielen Menschen offenbar nicht bewusst. Besonders die störenden Wirkungen in der zweiten Hälfte des Schlafs sind dosisabhängig. Dazu passt gut eine im Jahre 2011 an derselben Stelle erschienene polysomnografische Studie, nach der die ungünstigen Alkoholeffekte auf den Schlaf bei Frauen entsprechend dem unterschiedlichen Metabolismus verstärkt auftreten (2).


1. Ebrahim IO et al. Alcohol and Sleep I: Effects on Normal Sleep. Alcoholism: Clinical and Experimental Research; first published online: 24 Jan 2013. DOI: 10.1111/acer.12006
2. Arnedt JT et al. Sleep Following Alcohol Intoxication in Healthy, Young Adults: Effects of Sex and Family History of  Alcoholism. Alcoholism: Clinical and Experimental Research 2011; 35: 870 – 878. DOI: 10.1111/j.1530-0277.2010.01417.x

Bild: Petra Bork / pixelio.de

Univadis, medical and more

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Fachkongress zu pflanzenbasierter Ernährung

23.04.2018/APD - Vom 20. bis 22. April fand in Berlin im Henry-Ford- Bau der Freien Universität der fünfte „VegMed-Kongress“ statt. „Pflanzenbasierte Ernährung als Medizin – Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen“ lautete das diesjährige Motto.

mehr lesen

Russland will weniger Raucher

Bis 2050 soll die Zahl der Raucher in Russland auf fünf Prozent der Bevölkerung sinken – 2016 waren es noch 40 Prozent – Klappen soll das vor allem durch eine Massnahme

mehr lesen

Vergebung – ein neues Mittel gegen Bluthochdruck

Pharmafirmen entwickeln immer neue Medikamente gegen Hohen Blutdruck. Eine ganzheitliche Therapie berücksichtigt aber auch andere Massnahmen, z.B. eine gesunde Ernährung, eine gute Gewichtskontrolle, Abstinenz oder zumindestens Einschänkung von Alkohol, regelmässige körperliche Bewegung und einen guten Umgang mit Ärger und Frustrationen.
mehr lesen

Tabakindustrie beeinflusst Gesundheitspolitik

Die Einmischung der Tabakindustrie in die Gesundheitspolitik stoppen. Seit 2005 ist die internationale Tabakkonvention der Weltgesundheitsorganisation WHO in Kraft. Je mehr Länder die Übereinkunft ratifizieren, desto aggressiver versucht die Tabakindustrie, die Umsetzung der Konvention zu untergraben. Die Tabakkonzerne bekämpfen vor allem diejenigen Massnahmen der WHO-Tabakkonvention, die einen Rückgang der Verkäufe von Tabakwaren bewirken: ein Verbot von Werbung, Promotion und Sponsoring, gut sichtbare Warnhinweise auf den Packungen und ein hundertprozentiger Schutz vor Passivrauchen. Diese Einmischung der Tabakkonzerne in die Gesundheitspolitik hat die Weltgesundheitsorganisation zum Thema des Welttags ohne Tabak 2012 gemacht.
mehr lesen

Australische Studie: Koffein als Gesundheitsrisiko

Wahroonga, NSW/Australien, 03.01.2018/APD - Koffein stelle neben rotem Fleisch und Stress einen Schlüsselfaktor dar, der sich negativ auf die Gesundheit auswirke.

mehr lesen