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Jugendliche Raucher leben 10 bis 20 Jahre kürzer

Wer bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren mit dem Rauchen anfängt, lebt durchschnittlich 10 bis 20 Jahre weniger lang. Das Gehirn ist anfälliger Jugendliche für bleibende Gehirnveränderungen. Deshalb werden die Betroffenen umso stärker nikotinabhäng

Wer bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren mit dem Rauchen anfängt, dessen Lebenserwartung fällt nicht nur um 10 Jahre kürzer aus als die von Nichtrauchern, sondern wird möglicherweise sogar um mehr als 20 Jahre verkürzt.

„Bislang galt, dass Raucher im Durchschnitt eine um 10 Jahre geringere Lebenserwartung haben - aber wie wir jetzt wissen, gilt das nur für diejenigen Raucher, die erst im Erwachsenenalter mit dem Zigarettenkonsum begonnen haben“, erklärt Prof. Stefan Andreas, Chefarzt an der Lungenfachklinik Immenhausen.
„Trotzdem ist Rauchen für viele Jugendliche und sogar Kinder nichts Ungewöhnliches“, berichtet Prof. Tobias Welte, von der Medizinischen Hochschule Hannover. „So rauchen in Deutschland bereits 10 Prozent der Kinder im Alter von 10 Jahren.“

Bleibende Gehirnveränderungen durch Nikotin

Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, umso stärker nikotinabhängig werden die Betroffenen.
„Das ist auf die größere Neuroplastizität bei Heranwachsenden zurückzuführen, deren Gehirne sich ja noch in der Entwicklung befinden“, erläutert Prof. Georg Winterer, Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Düsseldorf und wissenschaftlicher Koordinator des DFG Schwerpunktprogramms Nikotin: Molekulare und physiologische Effekte im zentralen Nervensystem (ZNS) des Menschen. „Wer als Jugendlicher oder sogar als Kind schon regelmäßig raucht, entwickelt eine besonders stark ausgeprägte Nikotinsucht. Bei manchen fräst sich die Sucht quasi so tief in das Gehirn, dass sie diese ihr Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ein Rauchstopp ist dann mit einem starken Willen allein oft nicht mehr zu schaffen, aber Medikamente und Verhaltenstherapien können helfen.

Wir wissen mittlerweile auch, dass Nikotin das Gehirn nachweislich verändert und schädigt. So versuchen viele Raucher Stress, mangelnde Konzentrationsfähigkeit oder Depressionen durch den Konsum von Nikotin zu lindern. Die erzielten Effekte durch das Nikotin sind allerdings nur ganz kurzfristig wirksam. In Wahrheit und langfristig gesehen wird die Stresstoleranz und kognitive Leistungsfähigkeit der Betroffenen bei chronischem Nikotinkonsum immer schlechter und ihr Risiko für Depressionen immer größer.

Tatsächlich kann Stress nicht durch Rauchen reduziert werden – das ist ein echter Trugschluss! Vielmehr senkt das Rauchen die Stresstoleranz immer weiter herunter, sodass sich ein Teufelskreis entwickelt: Raucher werden mit jeder gerauchten Zigarette immer stressintoleranter und werden immer weniger belastbar, wobei sie fatalerweise immer stärker auf Zigaretten angewiesen sind, um sich selbst zu therapieren und das Leben irgendwie zu meistern. Was sie psychisch und natürlich auch physisch immer weiter in die Misere treibt.“

Aufhören, bevor sich eine Raucherlunge entwickelt

Je früher mit dem Rauchen begonnen wird und je mehr Zigaretten geraucht werden, umso eher im Leben entwickelt sich eine Entzündungsreaktion in der Lunge, die fatalerweise anfänglich kaum Beschwerden bereiten mag und so über viele Jahre unbemerkt dahin schwelt. „Ab einem bestimmten Punkt sind die Entzündungsprozesse in der Lunge dann aber nicht mehr umkehrbar“, warnt Welte. „Das war früher, als die meisten frühestens ab 20 Jahren ihre erste Zigarette geraucht haben, meist erst im Alter ab 40 Jahren der Fall, kann aber heutzutage – je mehr „pack years“ (Zahl der Jahre, an denen eine Zigarettenschachtel pro Tag geraucht wurde) sich angehäuft haben – dem entsprechend dann auch schon in einem Alter ab 30 Jahren eintreten. Dann entwickelt sich eine so genannte COPD (Raucherlunge) mit immer stärker zunehmender Atemnot auf Grund des entzündungsbedingt voranschreitenden Lungenfunktionsverlusts, Husten, Auswurf und weiteren Begleiterscheinungen wie erhöhter Infektanfälligkeit, Depressionen sowie systemischen Auswirkungen auf andere Körperorgane (wie z.B. Muskelabbau, Osteoporose etc.).

Das Fortschreiten dieser chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, die im Volksmund verniedlichend auch Raucherhusten genannt wird, lässt sich dann nicht mehr aufhalten - selbst dann nicht, wenn man das Rauchen längst aufgegeben hat. Deshalb wäre es am besten, so bald wie möglich mit dem Rauchen aufzuhören, bevor sich eine COPD entwickelt - spätestens aber mit 30-35 Jahren - und das Rauchen als eine Jugendsünde zu betrachten, die man endgültig hinter sich gelassen hat“, betont Welte.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de / DVG-informiert 11/08

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