Zum Hauptmenü springen

Winter Blues - Wenn Lichtmangel krank macht

Licht hilft bei depressiven Erkrankungen früher als eine Therapie mit antidepressiv wirksamen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Nachweis von saisonalen Veränderungen am postsynaptischen Neuron gelungen.

Ein Forscherteam der MedUni Wien konnte nun einen weiteren biologischen Faktor für die sogenannte Winterdepression ausfindig machen. Demnach funktioniert der Serotonin 1A-Rezeptor bei reduziertem Sonnenlicht ähnlich wie bei Depressionen oder Angststörungen wesentlich schlechter. Die Forscher stellen ihre Erkenntnisse im "World Journal of Biological Psychiatry" vor.
Eine entscheidende Rolle kommt bei der winterlichen Verstimmung bekannterweise dem Botenstoff Serotonin zu. Bisher konnte gezeigt werden, dass jahreszeitliche Serotonin-Schwankungen durch saisonale Veränderungen des Seorotonin-Transporters entstehen. Dieser Transporter ist für die Wiederaufnahme des Botenstoffs aus dem synaptischen Spalt, der zwei Nervenzellen miteinander verbindet, in die präsynaptische Nervenzelle verantwortlich. Saisonale Veränderungen am postsynaptischen Neuron, der eigentlichen Zielzelle der Serotonin-Übertragung, konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Das ist jetzt den Wiener Forschern gelungen.
Der in dieser Studie untersuchte Serotonin 1A-Rezeptor fungiert als Andockstelle am postsynaptischen Neuron. Bei Depressionen oder Angststörungen ist das Bindungspotenzial dieses Rezeptors stark vermindert. Die Forschungsgruppe um Christoph Spindelegger und Rupert Lanzenberger von der Universitätsklinik konnte bei 36 gesunden Probanden mittels PET zeigen, dass dieser Rezeptor auch bei Lichtmangel ein vermindertes Bindungspotenzial zeigt, und dass bei viel Sonnenschein die Werte signifikant höher sind.
"Diese Ergebnisse werden durch vorangegangene Studien untermauert", erklärte Kasper. "So konnten wir zeigen, dass mit einer Lichttherapie bereits nach einer Woche eine Verbesserung der Symptomatik eintritt, währenddessen die Patienten auf die SSRI-Therapie erst bis zu drei Wochen später ansprachen. Die in unserer Studie gezeigten lichtabhängigen Adaptionsprozesse des Serotonin 1A-Rezeptors könnten somit auch die Mechanismen der therapeutischen Wirkung von Licht erklären." (moe/eal/mmb)

Quelle: World Journal of Biological Psychiatry (abstract, World J Biol Psychiatry. 2011 Nov 23. [Epub ahead of print])

zitiert nach einer Meldung von Univadis, einem Informationsdienst von MSD, zusammengestellt von APA

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Gesundheitsförderung: Adventisten kooperieren mit WHO

Bei der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und der panamerikanische Regionalabteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) PAHO, forderte, Pastor Ted N.C. Wilson (Silver Spring, Maryland/USA) Präsident der adventistischen Weltkirchenleitung seine Ortsgemeinden weltweit auf, bei Gesundheitsveranstaltungen vermehrt mit lokalen Behörden und Gesundheitsämtern zusammenzuarbeiten.
mehr lesen

Panikstörung durch zu viel Blei im Blut

MONTREAL - Höhere Bleiwerte im Blut - auch wenn sie noch im Normbereich liegen - begünstigen anscheinend Depressionen und Panikstörungen bei jungen Erwachsenen.
mehr lesen

Tut Religion der Psyche gut?

Die religiösen und spirituellen Einflüsse auf die Gesundheit sind in der wissenschaftlich- psychiatrischen Forschung der letzten 150 Jahre stark vernachlässigt worden.

mehr lesen

Von Schlaf und regelmäßiger Erholung

Schlaf- und Ruhemangel Von der Schlafforschung wissen wir, dass einem erschöpften Verstand mit größerer Wahrscheinlichkeit schwere Fehler unterlaufen.

mehr lesen

Abgucken erwünscht – so kommen wir in Bewegung!

Kennen Sie das auch noch aus Ihrer Schulzeit? Man schreibt eine Klassenarbeit, hat sich mehr oder weniger gut vorbereitet und verspürt doch den grossen Drang, beim Nachbarn abzugucken. Wehe aber, wenn man vom Lehrer erwischt wird! Dann gibt es einen Verweis, eine schlechte Note und eine Meldung an die Eltern. Da heisst es, gut zu überlegen, ob man diese Folgen in Kauf nimmt oder nicht doch lieber ehrlich und selbstständig seine Arbeit schreibt. Warum also diese Überschrift? Sollen Sie doch zum Abgucken animiert werden?

Meine Antwort lautet aus vollem Herzen: JA.
mehr lesen