Supplemente:Vitamine und Eisen verkürzen das Leben

13.12.2011

[zurück zur Liste aller Artikel]
 

Bild zum Artikel Nr. 133Erneut kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen Menschen ohne Mangelzustände mehr schadet als nutzt.

Eine Auswertung der Iowa Women's Health Study zeigt (Archives of Internal Medicine 2011; 171: 1625-1633) für mehrere Supplemente sogar einen Anstieg der Sterblichkeit auf. Einzige Ausnahme war Kalzium, deren Einnahme mit einem verminderten Sterberisiko älterer Frauen assoziiert war. Die Iowa Women's Health Study (IWHS) wurde 1986 begonnen. Die 41.836 Frauen waren zu Beginn der Studie 55 bis 69 Jahre alt. Die prospektive Beobachtungsstudie untersucht den Einfluss von Ernährung und Lebensgewohnheiten auf chronische Erkrankungen.

Zum derzeitigen American Way of Life gehört die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, von denen sich die Bevölkerung gesundheitliche Vorteile verspricht. Vor allem ältere Frauen greifen gerne zu den Produkten aus Drogerie oder Supermarktregal. Zu Beginn der IWHS hatten 66 Prozent der Teilnehmerinnen der Studie wenigstens ein Präparat eingenommen, bis 2004 war der Anteil auf 85 Prozent gestiegen. Jede vierte Teilnehmerin nahm vier oder mehr Mittelchen ein, in der Regel ohne dass ein Arzt einen Mangel festgestellt hatte.

Doch das zugrunde liegende Motto „Mehr hilft mehr“ gilt für die lebenswichtigen Amine ebenso wenig wie für die im Körper nur in Spuren enthaltenen Mineralien. Im Gegenteil: Jaakko Mursu von der Universität von Minnesota ermittelte gleich für mehrere Supplemente ein deutlich erhöhtes Sterberisiko von durchaus relevantem Ausmaß. Die Einnahme von Multivitaminen erhöhte das Sterberisiko absolut um 2,4 Prozentpunkte.

Für Vitamin B6 wurde ein Anstieg um 4,1 Prozentpunkte festgestellt. Bei Folsäure betrug er 5,9 Prozentpunkte, beim Magnesium 3,6 Prozentpunkte und beim Zink 3,0 Prozentpunkte. Für Eisen wurde ein Anstieg um 3,9 Prozentpunkte dokumentiert. Er war dosisabhängig, was eine mögliche Kausalität unterstreicht. In den letzten Jahren hat es gleich mehrere randomisierte Studien gegeben, die ein erhöhtes Sterberisiko zeigten. Dazu gehört die Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention oder ATBC-Studie, in der Raucher nach der Einnahme von Beta-Carotin häufiger an Lungenkrebs erkrankten.

Im Norwegian Vitamin Trial und dem Western Norway B Vitamin Intervention Trial erkrankten Koronarpatienten häufiger an Krebs, wenn sie mit Folsäure oder Vitamin B12 behandelt worden waren. Schließlich ermittelte eine Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien ein erhöhtes Sterberisiko für Beta-Carotin, Vitamin A und Vitamin E. Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Andererseits gibt es aber auch klinische Studien, die eine schützende Wirkung einzelner Vitamine oder Spurenelemente ermittelten. Dies war auch in der aktuellen Beobachtungsstudie der Fall. Die Einnahme von Kalzium war mit einer Verminderung des Sterberisikos um 3,8 Prozentpunkte assoziiert. Da es sich bei den Teilnehmerinnen um ältere Frauen handelt, die ein höheres Osteoporoserisiko haben, ist dieses Ergebnis durchaus nachvollziehbar.

Goran Bjelakovic von der Universität Kopenhagen verweist jedoch auf eine jüngst im Britischen Ärzteblatt publizierte Meta- Analyse, die auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hingewiesen hatte. Die alleinige und unkritische Kalziumeinnahme steht seither im Verdacht, die Einlagerung von Kalk in den Gefäßwänden und damit die Arteriosklerose zu fördern.

Die meisten Experten raten deshalb, Kalzium nicht ohne medizinische Indikation einzunehmen und im Bedarfsfall mit Vitamin D zu kombinieren, damit das Mineral seinen Bestimmungsort Knochen auch erreicht.
© rme/aerzteblatt.de
(C) Bild Juliane Drechsel / pixelio.de

Weitere Artikel zum Thema

09.02.2009

Die zehn häufigsten Missverständnisse bei Krebs

Bild zum Artikel Nr. 110 Der Arzt sagt „Tumor“, der Patient versteht «Tod» – und denkt, dass Stress der Grund ist. Mit solchen Irrtümern will ein Onkologe aufräumen. «Wenn ein Patient erfährt, dass er einen Tumor hat: Wie lange kann er sich im Gespräch mit dem Arzt konzentrieren?», fragt der Krebsspezialist Miklos Pless, und gibt die Antwort: «Zwei Minuten.» Die wenigsten Patienten seien in dieser Situation in der Lage, länger aufzupassen, weiss Pless aus zehnjähriger Erfahrung. ... [weiterlesen]

06.12.2011

Am besten ist es, gar keinen Alkohol zu trinken

Bild zum Artikel Nr. 131 Je mehr Alkohol umso höher das Krebsrisiko Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist darauf hin, dass Männer nicht mehr als 20 und Frauen nicht mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag aufnehmen sollten. Zehn Gramm Alkohol steckten in einem „Drink“, zum Beispiel ein Glas Bier, Wein oder Schnaps. Würde diese Menge nicht überschritten, wären zahlreiche Krebsfälle vermeidbar. Bei Männern könnten 90 Prozent und bei Frauen 50 Prozent der alkoholbedingten Krebskrankheiten und ... [weiterlesen]

02.02.2009

Tierisches Eiweiß erhöht Risiko für Prostatakrebs

Bild zum Artikel Nr. 102 Über die Entstehung des Prostatakarzinoms ist bisher wenig bekannt,allerdings existieren verschiedene Hypothesen. So sollen größere Mengen tierischer Proteine das Risiko erhöhen, ebenso wie eine hohe Aufnahme von Milchprodukten oder Kalzium. Die Ergebnisse einer aktuellen europäischen Studie stützen diese These. Grundlage der Untersuchung bildeten Daten einer Multicenterstudie, die den Zusammenhang zwischen Ernährung, Lebensstil, Umweltfaktoren und Krebs untersucht. Die Gesamtkohorte umfasst rund eine ... [weiterlesen]

02.01.2009

Krebs als Chance sehen

Bild zum Artikel Nr. 71 Die Diagnose Krebs muss nicht das Ende bedeuten – die Krankheit kann auch als Botschaft verstanden werden, sein Leben zu ändern Krebs: Chance für einen neuen Start Die Diagnose Krebs bedeutet für viele ein Todesurteil – aber nicht weil die Krankheit ihnen das Leben nimmt, sondern, weil sie sich selbst aufgeben. Wer aktiv gegen seine Krankheit ankämpft und sie als Chance für einen Neustart sieht, kann (auch) mit Krebs ein sinnerfülltes Leben leben! Frau, Brustkrebs, Mini-Metastase in der Leber: ... [weiterlesen]

19.11.2008

Höhere Darmkrebsrate in Ländern mit hohem Fleischkonsum

Bild zum Artikel Nr. 24 Der Verzehr von Fleisch und die Häufigkeit von Darmkrebs stehen nach Erkenntnissen britischer Wissenschaftler in einem klaren Zusammenhang. In den westlichen Industriestaaten mit hohem Fleischkonsum sei die Darmkrebsrate dreimal höher als in ärmeren Ländern, wo vor allem Gemüse und Getreide auf dem Speiseplan stehen, heißt es in einer Studie der Fachzeitschrift "Journal of Epidemiology and Community Health". Die Wissenschaftler der Universität Oxford verglichen die Darmkrebsraten und ... [weiterlesen]

© 2012 Liga Leben und Gesundheit - Verein zur Förderung einer naturgemäßen Lebensweise | made by arako®