Krebs als Chance sehen

02.01.2009

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Bild zum Artikel Nr. 71Die Diagnose Krebs muss nicht das Ende bedeuten – die Krankheit kann auch als Botschaft verstanden werden, sein Leben zu ändern

Krebs: Chance für einen neuen Start

Die Diagnose Krebs bedeutet für viele ein Todesurteil – aber nicht weil die Krankheit ihnen das Leben nimmt, sondern, weil sie sich selbst aufgeben. Wer aktiv gegen seine Krankheit ankämpft und sie als Chance für einen Neustart sieht, kann (auch) mit Krebs ein sinnerfülltes Leben leben!

Frau, Brustkrebs, Mini-Metastase in der Leber: stirbt nach wenigen Monaten

Frau, Lungenkrebs, viele Metastasen – lebt mit ihrer Krankheit schon seit acht Jahren

Mann, Bauchspeicheldrüsenkrebs, läuft einen Marathon!

Warum leben Menschen mit ähnlichen Krebserkrankungen und ähnlichen Grundvoraussetzungen länger als andere? Dr. Klaus Gstirner, Spezialist für Tumortherapien und Psychotherapeut hat sich hunderte Krebsfälle auf diese Frage hin angeschaut – sein Fazit: „Menschen, die keine Eigeninitiative zeigen, keinen Mut aufbringen, gegen ihre Krankheit anzukämpfen und in ihrem eigenen Leben keinen Zusammenhang dafür finden, warum das passiert ist“, hätten grundsätzlich eine viel geringere Chance, die Krankheit lange zu überleben bzw. sogar einen Nutzen daraus zu ziehen als „Aktive“. „Denn“, so der Mediziner, „Krankheit ist immer auch eine Botschaft, seine Lebenssituation zu überdenken und sein Leben zu ändern“.

Viele Menschen „brauchen“ die Krankheit, um Wertigkeiten zu erkennen, um sich Fragen zu stellen wie „Was ist mir wichtig?“, „Bestimme ich mein Leben selbst?“, „Was macht mir Freude?“ usw. Insofern macht die Krankheit Sinn, weil sie die Menschen frei spielt vom Alltag, vom Beruf, von gesellschaftlichen Verpflichtungen und ihn zur Ruhe und auch zum Nachdenken zwingt.

Gstirner: „Eine Krebserkrankung überfällt auch niemanden über Nacht. Ernährung, Stress, Bewegungsmangel und auch die Veranlagung gelten heute als Hauptauslöser.“ Neben den Möglichkeiten der Medizin (Operation, Chemotherapie, alternative Tumortherapien) ist aber vor allem der eigene Umgang mit der Krankheit entscheidend für deren Verlauf. Die Krankheitsphasen eines Krebspatienten:

Zunächst will er die Krankheit nicht wahrhaben! Dann folgen Wut, Zorn, Aggression, Depression! Mit der Akzeptanz kommt die Suche nach oft irrationalen Therapien.

Gstirner: „Es gibt Krebspatienten, die lassen sich von zehn Leuten gleichzeitig behandeln, geraten in einen regelrechten Therapiestress. Aber: Sie werden nicht selbst aktiv, sondern suchen Personen, die ihnen helfen.“

Resignation und Selbstaufgabe! Annahme und Suche nach neuen Werten.

Dr. Klaus Gstirner bietet Seminare für Krebspatienten und ihre Angehörigen an. Und da kommen viele zu dem Schluss: Ich habe mein Leben noch nie so intensiv gelebt wie seit der Diagnose Krebs. Denn der Sinn des Lebens ist nicht der, dass man nicht krank wird (oder gesund bleibt).

Der Grazer + Der Steirer 2005

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