Zum Hauptmenü springen

Verzicht bringt 17 Jahre

Wer auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, dazu nur wenig rotes Fleisch und Wurst isst und auf ein normales Gewicht achtet, lebt statistisch bis zu 17 Jahre länger. Dies errechneten Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum. Die meiste Lebenszeit kostet es zu rauchen. Männern raubt der Tabak neun, Frauen sieben Lebensjahre.

Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben für ihre Studie ermittelt, wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sind, die ein ungesunder Lebensstil mit sich bringt. Die DKFZ-Epidemiologen um Rudolf Kaaks errechneten, wie viele Jahre jedes einzelne Risikoverhalten von der durchschnittlichen Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen raubt. Außerdem ermittelten sie die Auswirkungen der kombinierten Risiken.

Das günstigste Risikoprofil und damit die größte Lebenserwartung hatten demnach Nichtraucher (und Nichtraucherinnen) mit einem Body Mass Index (BMI) zwischen 22,5 und 24,9, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, dafür aber viel Obst und Gemüse aßen: Diese Menschen dürfen sich im Alter von 40 auf 47,5 (Männer) bzw. sogar 48,7 weitere Lebensjahre (Frauen) freuen.

Kombinierte Risiken

Betrachteten die Wissenschaftler die verschiedenen riskanten Lebensstilfaktoren jeweils einzeln, so schlägt das Rauchen am stärksten zu Buche: Raucht ein Mann über zehn Zigaretten pro Tag, so verliert er statistisch 9,4 Jahre an Lebenserwartung, eine Frau 7,3 Jahre. Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre.

Weitere Lebensstilfaktoren, die zu einem deutlichen Verlust an zu erwartenden Lebensjahren führen, sind: Adipositas (BMI von mehr als 30; 3,1/3,2 Jahre), starker Alkoholkonsum (3,1 Jahr, nur Männer) bzw. hoher Konsum an rotem Fleisch (2,4 Jahre Frauen, 1,4 Jahre Männer). Aber auch ein BMI unter 22,5 verringert die Lebenszeit (3,5 Jahre Männer, 2,1 Jahre Frauen). Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar.

Bei vielen Menschen bleibt es jedoch nicht bei einer einzigen ungesunden Angewohnheit. Um das zu berücksichtigen, errechneten die Forscher um Kaaks auch, welche Effekte eine Kombination dieser riskanten Lebensstilfaktoren mit sich bringt: Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber dem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau wären es 13,9 Jahre.

Langfristige Folgen

Für ihre aktuelle Untersuchung stand den DKFZ-Epidemiologen ein Datenschatz zur Verfügung: Das DKFZ ist beteiligt an EPIC, der gesamteuropäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs. Seit bereits 20 Jahren werden die Lebensstilfaktoren von mehr als einer halben Million Europäer sorgfältig dokumentiert. Allein das EPIC-Zentrum im DKFZ betreut 25.540 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg. Deren Daten flossen in die neue Erhebung ein. Die EPIC-Daten sind von hoher Qualität, da die Teilnehmer im Verlaufe der Studie mehrfach zu ihrem Lebensstil befragt worden sind.

"Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als 'erhobener Zeigefinger' empfunden", sagt Rudolf Kaaks, Leiter von EPIC Heidelberg. "Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet."

Die Studie im "BMC Medicine":
"Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study" von Kuanrong Li et al., erschienen 2014.

Bild: Julien Christ / pixelio.de

science.ORF.at/APA

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Gesundheitsallianz unzufrieden

Neues Tabakproduktegesetz: Gesundheitskommission reagiert minimal auf äusseren Druck, tut sich aber mit den nötigen Anpassungen schwer. Aber: nur ein wirksames Tabakproduktegesetz kann unsere Kinder und Jugendlichen schützen.

mehr lesen

Vitamine und Eisen verkürzen das Leben

Erneut kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen Menschen ohne Mangelzustände mehr schadet als nutzt.
mehr lesen

Gesundheitsförderung: Adventisten kooperieren mit WHO

Bei der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und der panamerikanische Regionalabteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) PAHO, forderte, Pastor Ted N.C. Wilson (Silver Spring, Maryland/USA) Präsident der adventistischen Weltkirchenleitung seine Ortsgemeinden weltweit auf, bei Gesundheitsveranstaltungen vermehrt mit lokalen Behörden und Gesundheitsämtern zusammenzuarbeiten.
mehr lesen

Bewegung ist nicht gleich Bewegung!

Sportliche Aktivität ist dann gesund, wenn sie auch Spaß macht. Körperliche Belastung beeinflusst unser Immunsystem unterschiedlich, je nachdem, ob die Belastung mäßig, stark oder erschöpfend ist. Aber nicht alle Bewegung ist gleich gesund.

mehr lesen

Was uns das Herz zu sagen hat

Das Zusammenspiel von Herz und Seele. Herz und Seele sind enger miteinander verbunden, als Wissenschaftler lange wahrhaben wollten. Psychokardiologen beobachten schon seit mehreren Jahren das Phänomen der sogenannten „Herzratenvariabilität“ und welche Auswirkungen vor allem Streß und psychische Störungen auf sie haben können.
mehr lesen